Pernice Brothers - Live A Little (RecRec)
von Ivana | Dienstag, 5. Dezember 2006
  
ooooo (Pop) // Pernice Brothers spielen auch auf ihrem sechsten Album harmlosesten, an die 60ies/70ies erinnernden Pop. Jener ist so harmlos, dass es weh tut.
Joe Pernice - einst Mitglied der alt.country-Gruppe Scud Mountain Boys - trällert mit glasklarer Stimme und wird dabei von Gitarre, Orgeln, Streichern und Hörnern begleitet, die zweifelsohne wunderbar arrangiert sind und feine Melodien produzieren. Alles klingt einträchtig, mitsingbar und vor allem sooo süss und sooo melancholisch. Und sooo unfehlbar, sooo brav, sooo verflucht normal. "Live A Little" ist Pop wie er nicht poppiger sein könnte und wären da nicht die bisweilen etwas zynischen Lyrics, man würde Joe Pernice das Album an den Kopf schmeissen; JA, MENSCH, LEB' EIN WENIG! Wenn "Live A Little" eben diese Aufforderung - ganz im Sinne von carpe diem - sein soll, ist's ein unsäglich langweiliges, tristes Leben.
Das sechste Studioalbum der Pernice Brothers ist nichts mehr als Mittelmass, nichts mehr als der erzwungene Sonntagsspaziergang mit der Familie. Die Amerikaner meinen's bestimmt nur gut und die Musik ist ohne Frage (zu?) schön, aber der Schreibenden vergeht das Lachen bei all der anmassenden Fröhlichkeit und dem penetranten Sonnenschein. Chronisch Glückliche mit einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis werden an "Live A Little" aber freilich Gefallen finden.

(VÖ: 03/11/06)

>> Referenzen: Teenage Fanclub, Elvis Costello, The Beach Boys
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