Laibach - Volk (MV)
von Ivana | Dienstag, 19. September 2006
  
ooooo (Industrial) // Gewohnt provokant dekonstruiert die slowenische Industrial-Band Laibach auf ihrem neusten Album 14 Nationalhymnen zu elektropoppigen, maliziösen Abgesängen auf die Völker.
So kriegen etwa Deutschland, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Frankreich, England, aber auch den von Laibach konstituierten, fiktiven Staat des Künstlerkollektives NSK (Neue Slowenische Kunst) ihr Fett weg. Den Nationalhymnen entnommene Originalzeilen werden auf jeder Interpretation von Gastsängern gestelzt wiedergegeben, während Laibach-Sänger - hier mehr noch Prediger - Milan Fras beschwörend über Recht und Ordnung jeder Nation, über Gut und Böse grollt. Unterstützt werden seine politischen Verlautbarungen, oftmals zwischen Zynismus und Satire schwankend, von gewohnt eindringlichen Drumsounds, Streichersamples und elektronischen Peitschenhieben, die wohl den Staatpräsidenten gelten sollen. Gleichwohl zeigen sich Laibach poppiger denn je und so erheben etwa auch sanfte Pianoklänge oder ein russischer Kinderchor die Hand, um sich zu äussern. Auch scheinen sich die Slowenen nicht zu scheuen, auf dem NSK-Stück zum Marsch zu blasen.
Das Zusammenspiel von heuchlerischem, aller Realität fernem Nationalstolz und diktatorischer Brutalität macht "Volk" zu einem unheimlichen Zeitdokument, das niemanden unberührt lassen wird. Der eine oder andere Patriot wird seine Haltung allenfalls überdenken. Das Konstrukt eines überlegenen, rechtschaffenen Staates ohne Fehl ist schon lange in Utopie zerfallen.

(VÖ: 20/10/06)

>> Referenzen: Diary Of Dreams, DAF, Goethes Erben
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