Green Concorde - Ten Cities (Phonag)
von Ivana | Donnerstag, 22. Februar 2007
  
ooooo (Post-Punk, New Wave) // Nicht wie eine Concorde, sondern wie ein Hubschrauber mit gebrochenen Drehflügeln fliegen resp. schwanken die Dänen in der überfüllten 80ies-Revival-Landschaft herum.
Wer erinnert sich nicht an das Überschall-Verkehrsflugzeug? Von Paris bzw. London sollte es Passagiere innert weniger Stunden über den Atlantik nach New York bringen - und tat dies auch erfolgreich während knapp drei Jahrzehnten. Auch Green Concorde aus Kopenhagen wollen hoch hinaus, rangeln um einen Platz in der neuen Post-Punk-Gilde. Sie wollen so sehr dazugehören, dass sie es vielleicht einfach übertreiben. Keine eingängigen Riffs, keine tanzbaren Drums, kein schneller Basslauf, nein, vielmehr bestehen die Songs auf "Ten Cities" (Anspruch auf Urbanität scheint dieser Tage angesagt - man denke etwa an Bloc Party oder das neue Layout Interpols Webauftritt) aus einem einzigen Durcheinander. Den Hörer ergreift dasselbe beklemmende Gefühl, das ihn überkommt, wenn er sich inmitten einer Horde zankender und schreiender Kinder wähnt. Das ist Zappelphilipp-Lärm vom Feinsten und Sänger Morten klingt wie vom übelsten Stimmbruch geplagt, ja krächzt - zweifelsohne euphorisch - schlimmer als der 15-jährige Nachbarsbub, der seiner Mutter Paroli bietet. Die Melodien sind unharmonisch, den Songstrukturen ist kaum zu folgen und die Texte erweisen sich ebenfalls als wenig gehaltvoll. Man möchte es eigentlich unterlassen zu sagen, aber: Dieses Debütalbum macht auf weiten Strecken aggressiv. Einzig der Song "The Anthem To Which We Fall" weiss zu gefallen und lässt erahnen, wie die Dänen klingen könnten, würden sie ihre fraglos vorhandenen bzw. schlummernden Talente (besser) nutzen.
"Green Concorde travels between ten cities", heisst's auf der offiziellen Bandwebseite. Vielleicht sollten sie sich nochmals ein wenig zurückziehen, üben, Interpol zu Rate ziehen und sich dann vorerst mit zwei Städten begnügen. Das oben erwähnte Flugzeug war bereits mit deren drei überfordert und stürzte 2000 ab. Morten & Co. tun's leider auch.

(VÖ: 26/01/07)

>> Referenzen: Interpol, Echo & The Bunnymen, The Departure
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