Cut Chemist - The Audience's Listening (Warner)
von Ivana | Samstag, 10. Februar 2007
  
ooooo (Electronic, Experimental) // Cut Chemists erstes Soloalbum ist ein verrücktes Sammelsurium an Samples, ein atemloser Sprint durch sämtliche Genres, kurz: ein schwer verdauliches Potpurri.
"The robots are coming", heisst's im zweiten Song und sofort wird dem Hörer von irrwitzigen Samples am Hemd gezupft und an den Haaren gezogen. Einem Schwarm betrunkener Vögel gleich fliegen die mannigfaltigsten Soundschnipsel schwirrend durch das Dutzend Songs, die - obgleich stets überaus elektronisch - in der einen Sekunde Hiphop, in der anderen Funk, in der nächsten Jazz und in der übernächsten Pop sind. Alles zappelt Aufmerksamkeit erheischend umher und Lucas MacFadden alias Cut Chemist packt die ganze Welt auf eine Scheibe: Brasilien hier, Asien da, Los Angeles dort. Ein Kosmopolit sondergleichen also. (Und sehr an Daedelus' "Denies The Day's Demise" erinnernd.) Bedienen tut er sich hierbei eines Computers, Mixers und Turntables, die in seinen Händen unberechenbare, verkopfte Songs ohne erkennbare Leitmotiv, ohne regelmässige Strukturen erschaffen. Mitsingen bzw. -pfeifen ist nicht und ein Kopfnicken gliche eher parkinsonschem Zittern. Zuhören gestaltet sich ebenfalls als relativ schwierig, denn der Hörer ist in diesem bunten, über-originellen Trullala schlicht überfordert resp. verloren. Cut Chemist beherrscht sein Handwerk sehr wohl, keine Frage, aber er hat es hier wohl etwas zu gut gemeint. Ob die "Audience" dann auch wirklich "listenet", ist fraglich...

(VÖ: 26/01/07)

>> Referenzen: Daedelus, DJ Shadow, Lemon Jelly
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